Geschichte von Babenhausen

Schon aus vorchristlicher Zeit liegen uns Besiedelungsspuren der Kelten im Günztal vor. Einige Keltenschanzen in den Wäldern der Umgebung sind noch erhalten geblieben. Im frühen Mittelalter errichteten Angehörige des niederen Adels ihre Turmhäuser auf Erdwällen, diese sind als Burgställe auch heute noch in den Wäldern zu finden.
Die erste urkundliche Erwähnung findet Babenhausen in einer bischöflich-augsburgischen Urkunde von 1237, in der der Bürgermeister von Babenhausen als Zeuge auftritt. Schon vor 1237 muss wohl eine feste Siedlung um die Burg der Herren von Schönegg bestanden haben, wenn in der Urkunde bereits ein Bürgermeister erwähnt wird. Spätere Inhaber der Lehensherrschaft, die Rotensteiner und die Rechberger, erweiterten die Burganlage.

Als dann 1538/39 Anton Fugger, der Erbe des Augsburger Handelshauses, von den Rechbergern die Herrschaft Babenhausen mitsamt Schloss und den umliegenden Dörfern kaufte, erfolgte sofort der Um- und Erweiterungsbau zu der heutigen Schlossanlage.

Die bereits bestehende Pfarrkirche St. Andreas wurde erweitert und in das Schlossareal einbezogen. Der Zehentstadel wurde vergrößert und die Fugger`sche Verwaltung und das Gericht erhielten ein Amtshaus am Marktplatz gegenüber dem Rathaus mit der Schranne. Der hinter der Burg gelegene „Baumgarten“ wurde im Laufe der Zeit in einen Park nach englischen und französischen Stilelementen umgestaltet. Noch heute kann man im Schatten uralter Bäume wandeln und die Ruhe genießen.

Babenhausen entwickelte sich zum zentralen Handwerker- und Handelsort der Fugger`schen Herrschaft. Die Fugger organisierten, tonangebend für Schwaben, in ihrer Herrschaft das Zunftwesen neu. Diese nun entstandenen Landzünfte konnten mit ihren Waren auf den Märkten auch in den benachbarten Reichsstädten Memmingen und Ulm konkurrieren. Besonders stark war der Wettbewerb auf den Leinenmärkten. Schon früh hatte sich ein solides Weberhandwerk in Babenhausen und in den umliegenden Dörfern entwickelt. Der Rohstoff für die Leinwand, der Flachs, wuchs vor der Haustüre und wurde in aufwändigen Arbeitsgängen von der ganzen Familie bis zum Webstuhl be- und verarbeitet. Bei den wöchentlichen Schrannentagen fand im Rathaus über Jahrhunderte eine Weberschau statt, bei der der vorgelegten Weberware durch Beschauzeichen erst das Qualitätssiegel aufgedrückt wurde. Zahlreiche Handwerke, die mit dem Weberhandwerk in Verbindung standen wie die Blättersetzer, Garnsieder, Bleicher, Färber und Walker, hatten im Ort ihren Sitz.

Die Zunfthandwerker fanden sich regelmäßig in ihrer Herberge, dem Zunfthaus „Rössle“, ein. Über ein Dutzend verschiedener Zunftordnungen belegen die Vielfalt der Handwerkssparten, die vom Altarbauer bis zum Zinngießer reichten.

Zur Zeit des Bauernkrieges 1525 hatten sich die aufständischen Bauern in Babenhausen unter ihrem Anführer Augustin Schlegel zusammengerottet. Der Bauernhaufen unter dem „Roten Fähnlein“ hatte sich anderen Haufen angeschlossen, die von der Donau bis ins Allgäu marodierend, plündernd und brandschatzend durch das schwäbische Land zogen. Dabei plünderten sie auch das benachbarte Kloster Roggenburg und zerstörten die Burgen in Oberschönegg und Reichau. Die Burg des Veit und Paul Rechberg in Babenhausen verschonten sie. Bei Leubas im Allgäu wurden die Bauernhaufen durch die Kaiserlichen unter dem „Bauernjörg“ und Georg von Frundsberg vernichtend geschlagen. Augustin Schlegel wurde gefangen genommen.

Neben dem Schloss, dem Wohnsitz der heute noch blühenden Linie Fugger-Babenhausen, mit dem Fugger-Museum ist die Pfarrkirche St. Andreas sehenswert. Die Kirche ist gotischen Ursprungs, sie wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert und stilistisch umgestaltet. Sie birgt auch das Grabmal von Anton Fugger. Die Familie Fugger regierte über Jahrhunderte in ihrer Herrschaft, die 1803 sogar noch zu einem Reichsfürstentum erhoben wurde, bis man 1806 im Rahmen der napoleonischen Umgestaltung die kleinen Herrschaften aufhob und ins neue Königreich Bayern eingliederte.

Von 1894 bis 1995 fuhren auf der Lokalbahnstrecke von Babenhausen nach Kellmünz zur „Illertalbahn“ Dampfzüge und Triebwagen und wickelten den in den Glanzzeiten stark frequentierten Personen- und Güterverkehr ab. Heute ist der Bahnverkehr aus Rentabilitätsgründen eingestellt und die Schienen sind entfernt. Auf der alten Bahntrasse entstand ein moderner Radweg, auf dem man nun ins Illertal radeln kann.

Seit 1975 ist der Markt Babenhausen staatlich anerkannter Erholungsort.

Dieter Spindler